Gegründet am 18. November 2010 von
Peter Großpietsch † und Brigitte Lambiel

Gründungstafel
Peter Großpietsch

Peter Großpietsch, ein großer Schlesier
Von Ulrich Klebeck und Manfred Spata

Am 16. November 2017 verstarb in Lüdenscheid der Gründer und langjährige Vorsitzende der Stiftung Grafschaft Glatz/Schlesien und der „Zentralstelle Grafschaft Glatz/Schlesien e. V.“ sowie Schriftleiter des „Grafschafter Boten“, Peter Großpietsch. Am 8. Februar 1935 wurde er als als Sohn des Tischlermeisters Wilhelm Großpietsch (1896-1985) und seiner Ehefrau Charlotte, geborene Morawietz (1904-1998) in Glatz am Rande der Festung in der Böhmischen Straße 12 in eine seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesene gutbürgerliche Familie geboren. Nach der Vertreibung im März 1946 und Ankunft in Ankum (Artland) sah Peter Großpietsch sich den damals üblichen Schwierigkeiten der Vertriebenen und Flüchtlinge gegenüber. Nach Tischlerlehre und mittlerer Reife holte er sein Abitur auf der Abendschule nach, wurde Diplom-Verwaltungswirt und machte Karriere bis hin zum Ersten Polizeihauptkommissar im Bundesgrenzschutz im Innenministerium in Bonn. So manchen bundesdeutschen Innenminister hat er kommen und gehen sehen. Die Gründung einer Familie mit Regina Großpietsch (ein Sohn und eine Tochter) ist ein Teil seiner Biographie. Schon als junger Mann hat Peter Großpietsch auch in den schlesischen Gremien aktiv mitgewirkt. Unter seinem Vorsitz wurden seinerzeit feste Vereinsgrundlagen für die Kreisgruppe Bonn der Landsmannschaft Schlesien gelegt; 1981 übernahm er die Aufgabe als stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien, die er verantwortungsvoll und mit großer Leidenschaft erfüllte, wie so manche Diskussion unter dem Vorsitz von Dr. Herbert Hupka (1915-2006) und später unter Rudi Pawelka zeigte. Immer standen Fragen der Hilfe für Menschen, der Gerechtigkeit für die Vertriebenen, der Geschichtsbewertung sowie der Erhalt der Landsmannschaft im Fokus. Nicht zuletzt sein in dieser Funktion erbrachter Einsatz für die Deutschlandtreffen, Werbung für die Teilnahme daran, sein vielbesuchter „Glatzer Stand“ mit „Grafschafter Bote“ in den Treffenshallen und die Leitung verschiedener Gesprächsrunden bei den Deutschlandtreffen der Schlesier verdienen Dank und Anerkennung. Peter Großpietsch war Gründungsmitglied der Heimatgruppe Grafschaft Glatz e. V. und der Glatzer Kreisversammlung sowie Mitbegründer des Deutschen Freundschaftskreises (DFK) Glatz.

Jahrzehntelang setzte er sich für den Auf- und Ausbau des Hauses Schlesien ein, wo er auch jahrelang Vorstandsmitglied des Vereins in Königswinter-Heisterbacherrott war, dem anerkennend so genannten „schlesischen Zuhause“ in Deutschland. Für seinen Einsatz und die großen Verdienste um Schlesien wurde er anläßlich seines 60. Geburtstages 1995 von Dr. Herbert Hupka mit dem Schlesierkreuz ausgezeichnet. Mit diesem Datum, mit 60 Jahren, beendete er auch seinen aktiven Dienst, ohne in einen „Ruhestand“ zu treten, da jetzt sein Einsatz für Schlesien nochmals zunahm. Seit 1984 war Peter Großpietsch Vorsitzender der „Zentralstelle Grafschaft Glatz/Schlesien e. V.“ und somit Herausgeber der Mitgliederzeitschrift „Grafschafter Bote“ und dann auch seit 1995 deren Schriftleiter. In dieser bundesweit größten unabhängigen Zeitung der Vertriebenen sowie an vielen anderen Stellen trat er furchtlos und mutig für Schlesien, insbesondere für die Grafschaft Glatz, ein. Auch für das Jahrbuch „Groafschoaftersch Häämtebärnla“ und den „Bildkalender der Grafschaft Glatz“ fungierte er als Herausgeber. Zahlreiche weitere Buchherausgaben, teilweise gemeinsam mit dem Marx-Verlag in Leimen, sind ihm zu verdanken. Zu zahlreichen politischen Entscheidungen der Verantwortlichen im In- und Ausland bezog er stets eine klare Position, beispielsweise in der von ihm mit vertretenen am 6. August 1960 veröffentlichten „Deklaration zur Charta der deutschen Heimatvertriebenen vom 5. August 1950“, worin die 10 Jahre zuvor formulierten Ziele der „Charta“ nochmals unterstrichen werden und erneut das Selbstbestimmungsrecht für alle Völker gefordert wird. In den vergangenen Jahren sind eine Fülle von Gedenksteinen und -tafeln zur Erinnerung an die verlorene Heimat in Deutschland und in der ehemaligen Grafschaft Glatz aufgestellt worden, deren maßgeblicher Initiator Peter Großpietsch war. In einem Aufruf ermunterte er 1988 seine Landsleute, das überlieferte und mitgebrachte Geistes- und Kulturerbe zu bewahren, durch Gedenksteine und – und tafeln „Spuren zu hinterlassen, die belegen, daß wir da waren, daß es eine Vertreibung überhaupt gegeben hat.“ Diesen Aufruf unterstützte auch Großdechant Franz Jung. „Spuren hinterlassen“ hat Peter Großpietsch auch im Haus Schlesien, wo er am „Haus Grafschaft Glatz“ die so genannte Mundarttafel mit der letzten Strophe des Gedichts von Robert Karger „Es leit ei a Barja …“ 1987 anbringen ließ; es folgten anläßlich des „Grafschafter Tages“ 1991 im Park die Aufstellung des „Grafschafter Wegekreuzes“ des Bildhauers Alfred Langer unter feierlicher Einweihung von Joachim Kardinal Meisner sowie 1996 die Aufstellung einer kleinen Nachbildung des Glatzer Schneebergturmes von Helmut Höcker, Georg Hötzel und Paul Wagner. In der Erkenntnis, „Spuren hinterlassen“ zu müssen, gründete Peter Großpietsch im Jahre 2010 zusammen mit Brigitte Lambiel die „Stiftung Grafschaft Glatz/Schlesien“ und übernahm auch dort den Vorsitz. Das „Haus Glatzer Bergland“ in Lüdenscheid verdankt seine Existenz seiner Initiative; dort werden Schenkungen und Nachlässe von Grafschafter Familien verwahrt sowie Bücher, Graphiken und Bilder gesammelt und für die Öffentlichkeit erschlossen. Während des Deutschlandtreffens 2013 trat Großpietsch vom Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der Bundeslandsmannschaft Schlesien zurück und leitete damit zusammen mit anderen die Möglichkeit ein, an der Bundesspitze einen Generationswechsel durchzuführen. Am 5. 10. 2013 wurde er nach erneuter Kandidatur für dieses Amt wiedergewählt. Nach erfolgreichem Neuanfang für die Bundeslandsmannschaft stellte er sich am 21. 6. 2014 in Görlitz nicht mehr zur Wahl. Ein Höhepunkt der Anerkennung seiner jahrzehntelangen heimatpolitischen und heimatkundlichen Aktivitäten war sicherlich die Verleihung des Schlesierschildes auf dem Bundestreffen der Schlesier 2015 in Hannover. Seine Aufgabe, ja seine Bestimmung, führte ihn dahin, die Geschichte, Kultur und Tradition sowie das geistige Erbe der Grafschaft Glatz zu bewahren und öffentlich zu machen. Dazu gehört ganz selbstverständlich, daß er nicht nur den katastrophalen Zweiten Weltkrieg, sondern auch Flucht und Vertreibung der Deutschen aus ihrer angestammten Heimat als nicht entschuldbares Verbrechen gegen die Menschlichkeit brandmarkte. Er sah seine selbst auferlegte Verpflichtung insbesondere darin, immer wieder aufzuzeigen, daß dem Frieden im europäischen Haus nicht mit dem weit verbreiteten Verschweigen historischer Wahrheit gedient ist, getreu nach den Worten von Abraham Lincoln: „Nichts ist endgültig, sei es denn, es ist gerecht geregelt.“ Peter Großpietsch wurde am 25. November 2017 durch Großdechant Franz Jung auf dem Schinkeler Friedhof in Osnabrück beigesetzt. Peter Großpietsch hat sich um Schlesien und die Grafschaft Glatz verdient gemacht!

Lit.: PETER GROßPIETSCH: Wir Grafschafter müssen Spuren hinterlassen, in: Grafschafter Bote 2/1988, S. 1; MANFRED SPATA: Grafschaft Glatzer Erinnerungen im Haus Schlesien, in: Brief aus dem Haus Schlesien, 3/2014, S. 21-22; DERS.: Stätten des Gedenkens an die Grafschaft Glatz in Deutschland, in: Horst-Alfons Meißner (Hg.): Neubeginn in der Fremde. Vertriebene aus der Grafschaft Glatz in Schlesien nach 1946, S. 333-419; CHRISTIAN KUZNIK: Laudatio anläßlich der Schlesierschild-Verleihung an Peter Großpietsch 2015; HEINZ GÜNTER ALICH: Peter Großpietsch ist tot, In: Grafschafter Bote 11/2017, S. 1; LANDSMANNSCHAFT SCHLESIEN: Nachruf für Peter Großpietsch; HANS LEBERSORGER: Peter Großpietsch hat „Spuren hinterlassen“, in: Grafschafter Bote 12/2017, S. 1.

Kontakt

Stiftung Grafschaft Glatz/Schlesien
im Haus Glatzer Bergland
Friedhofstraße 3
58507 Lüdenscheid

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Sa. 11:30 - 14:30 Uhr oder
nach telef. Vereinbarung

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